Alt-J Mannheim

Von Lichtern und Dreiecken – Alt-J Konzertreview

Musik

Wenn Alt-J in Mannheim Halt machen, ist das für die Mannheimer Musikszene so etwas wie ein kleiner Ritterschlag. Natürlich möchte ich Alt-J nicht auf irgendeinen Musikthron erheben, aber diese britische Band hat in den letzten Jahren mit ihrem unvergleichlichen Musikstil so viel Aufsehen erregt, dass Mannheim als Spielort zwischen Düsseldorf und Berlin durchaus auffällt. Das Konzert in der Maimarkthalle hat auf jeden Fall weder Alt-J-Ultras noch Neuankömmlinge im Alt-J Fanlager enttäuscht.

Hundreds Alt-J Mannheim

©Jannik Rulitschka


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Eine Vorband für Alt-J zu wählen, stelle ich mir als keine leichte Aufgabe vor. Die Hamburger Band Hundreds hat mit ihrem verträumten Elektropop jedoch so stimmig gepasst, dass der Übergang von Hundreds zu Alt-J auf mich wirkt, als würde sich die Intensivität und das Tempo im Laufe des Abends steigern.

Alt-J Mannheim

©Jannik Rulitschka

Nach einer sehr kurzen Umbaupause geht es dann los mit den Herren der Stunde, nachdem die Alt-J-Ultras schon hibbelig ihre Hände zur umgedrehten Merkelschen Raute geformt haben – bei Alt-J hat das natürlich weniger mit Politik, sondern vielmehr mit der Tastenkombination Alt+J zu tun, die an jeglichen Applegeräten mit englischer Tastatur ein Dreieck ergibt. Wer sich also bis jetzt gefragt hat, was es mit dem Namen auf sich hat, der weiß nun Bescheid!

Alt-J Mannheim

©Jannik Rulitschka

Die Veranstalter, darunter alte Bekannte wie Maifeld Derby und Delta Konzerte, haben bereits einen Tag vor dem Konzert auf zwei riesige Trucks mit Lichtequipment hingewiesen, die schon vor der Halle geparkt hatten. Denn Licht ist generell ein ganz großes Thema bei Alt-J. Die Bühne wird von ca. 20 rechteckigen LED-Bildschirmen dominiert, die während des Konzerts sogar ihre Position wechselten und 3D-Visuals draufhatten.

Alt-J Mannheim

©Jannik Rulitschka

Daneben wirken die zahlreichen Stroboskoplichter und die Scheinwerfer schon fast unspektakulär. Was dabei herauskommt, lässt sich erahnen: eine Megalichtshow, die weniger an ein Konzert sondern an aufwändige TV-Shows erinnert. Der ein oder andere Mund bleibt daher nach den ersten Minuten erst Mal offen stehen. Es blitzt und blinkt bei Alt-J kräftig, aber natürlich nicht nur einfach so, sondern immer passend zur Musik. Bei den ruhigen Stücken fließen verschiedene Farben ineinander, bei den schnelleren Stücken tanzen die LEDS, Stroboskoplichter und Scheinwerfer um die Wette.

Alt-J Mannheim

©Jannik Rulitschka

Achja, die Musik! Die Lichtshow ist so gewaltig, dass die Musik fast ein wenig untergeht, aber das sagt selbst Sänger Joe und der muss es ja wissen! Beachtlich ist jedoch, dass die Jungs aus Leeds beinahe ihre beiden kompletten Alben durchspielen und sich zwischen den einzelnen Songs kaum eine Verschnaufpause gönnen. Was Sänger Joe an stimmlichen Livequalitäten mangelt, macht die Band in musikalischer Hinsicht wieder wett. Vor allem Drummer Thom zieht am rechten Bühnenrand mit seiner beeindruckenden Drumausstattung zu Recht die Blicke auf sich.

Alt-J Mannheim

©Jannik Rulitschka

Was vom Abend bleibt ist also vor allem eine beeindruckende, perfekt auf die Musik abgestimmte Liveshow, wie es sie selten bei anderen Bands gibt. Ich sage Chapeau und danke für den tollen Abend, Alt-J!