Maifeld Derby 2019

Review: Maifeld Derby 2019

Kunst und Kultur, Musik

Erstmal heißt es Adieu: Denn das Maifeld Derby wird nächstes Jahr eine wohlverdiente Pause machen. Kein Wunder, denn unser liebstes Festival hat auch in diesem Jahr wieder ganz viel Liebe zum Detail bewiesen und das kostet bekanntlich Zeit und Geld. Daher können wir nur sagen: Chapeau, Timo Kumpf und Team, dass ihr das in den letzten Jahren immer so grandios veranstaltet habt!

Das Maifeld Derby 2019 war jedenfalls sowohl musikalisch als auch stimmungs- und wettertechnisch wieder wunderbar und hat unserem Team wieder einige musikalische Neuentdeckungen geschenkt. Dies ist einer der Hauptpunkte, warum wir alle dieses Festival so lieben und uns in den letzten Jahren immer schon wie die Kinder auf den Juni gefreut haben! Aber wir möchten direkt auf den Punkt kommen:


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FREITAG

Ursprünglich habe ich den Freitag in meiner Festivalplanung als meinen Highlight-Tag auserkoren, denn hier spielten Jordan Rakei und Parcels. Vor Jordan Rakei spielte die Wahl-Berlinerin Novaa, die mich primär mit ihren schnellen Songs und ihrer Hammer-Stimme überzeugen konnte. Als Riesen-Fan von Jordan Rakei glich es für mich einem kleinen Wunder, dass der Neuseeländer am Freitag in Mannheim Halt machte.

Maifeld Derby 2019

Sein Konzert war definitiv etwas für Musikversteher, denn wer hier nur Partystimmung und Eingrooven aufs Festival erwartete, war hier eher falsch. Rakei hatte eine vierköpfige Band als Begleitung, die beeindruckend on point spielten und sogar zwischendurch ganz jazz-like freestylten. Rakei konnte hier seine musikalische Vielfalt und Komplexität zeigen, verlor aber nie den Funk und Groove. Was ihm an Bühnenpräsenz mangelte, machte er problemlos durch seine Musik wett und konnte gleichzeitig noch sein Album vorstellen, was an diesem Freitag rauskam.

Maifeld Derby 2019

Ein weiteres Highlight war, wie erwartet, der Auftritt der Parcels. Die Australier sind inzwischen in der Indieszene als lustige Funky-Groovy-Surf-Pop-Band bekannt, die durch aufmunternde Performances jeden zum Tanzen bringen. Genau das haben sie auch beim Derby geschafft, denn das Palastzelt war nicht nur proppevoll, sondern hier hat wirklich jeder getanzt und gelacht. Als sie gegen Ende ihres Sets auch noch eine Saturday Night Fever ähnliche Tanzeinlage präsentierten, war spätestens jeder Festivalbesucher in love, wie man auch nach dem Konzert am inflationären Tragen von Parcels T-Shirts erkennen konnte.

Maifeld Derby 2019
Maifeld Derby 2019
Maifeld Derby 2019

Meine erste Neuentdeckung am Freitag war der Hamburger Pianist Niklas Paschburg, der auf meiner Lieblingsbühne im Parcours d’Amour spielte. In malerischer Kulisse der untergehenden Sonne zeigte er, was aus der Kombi von Klavier und Synthesizern alles möglich ist und zog mich und den Rest des Publikums regelrecht in eine Art Bann. Standing Ovations und Zugabe-Rufe gab’s vollkommen zu Recht!

SAMSTAG

Am Samstag gings dann mit wunderschönstem Festivalwetter weiter. Highlight Nummer 1 war für mich die Österreicherin Mavi Phoenix, die zu recht als neue M.I.A. gehypt wird. Mit einer ordentlichen Prise Charme, Witz, Intelligenz und einigen politischen Statements zur Ibiza-Affäre und Homo-Ressentiments präsentierte sie ein vielseitiges Set aus Trap, Pop und Lo-Fi. Mein Fazit: das Mädel kann richtig gut rappen und hat mich auch sonst live überzeugt.

Etwas ganz Untypisches für das sonst eher Electro- und Indielastige Maifeld Derby war der Auftritt des Deutschrappers Yassin. Im Newcomerzelt hatte er überraschend viele Zuhörer und brachte eine gehörige Portion Hip Hop-Stimmung aus Maifeld Derby. Seine Musik rangierte zwischen nachdenklichen Songs mit politischen Statements gegen Rechts und noch ausbaufähigem typischem Deutschrapgehabe – Yassin hat jedoch durchaus Potenzial, unbedingt im Auge behalten!

Mein persönliches Tageshighlight entpuppte sich am Abend auf der Fackelbühne: die Belgier Balthazar waren schon mal 2012 zu Gast beim Maifeld Derby und kamen jetzt wieder mit ihrem neuen Album „Fever“, das ein richtig gutes und vor allem sehr musikalisch anspruchsvolles Indiealbum ist. Das ist klassischer Indie mit Twist vom Feinsten! Läuft bei mir seitdem rauf und runter!

Maifeld Derby 2019

Achja! Dann war da noch der Surprise Act im Parcours d’Amour zur Kaffeepause. Einige Stimmen munkelten mir schon am Freitag, dass es sich dabei um die inzwischen im Mainstream angekommenen Annenmaykantereit handelte. Für die meisten Besucher kam die Überraschung tatsächlich wie der Blitz aus dem Himmel und so war die Tribüne beim Parcours d’Amour so voll, dass alle Security-Menschen vom Maifeld Derby zum ersten Mal richtig etwas zu tun hatten.

Maifeld Derby 2019

Ich habe Annenmaykantereit schon vor 3 Jahren gesehen, als sie noch nicht so bekannt waren und bin immer etwas hin- und hergerissen. Textlich bin ich großer Fan der Band, manchmal wird es mir aber dann doch inhaltlich zu eintönig – vielleicht bin ich aber auch einfach zu alt und zu weit weg vom Studenten-WG-Leben… Das Maifeld-Publikum war jedenfalls begeistert und wollte die Jungs gar nicht mehr gehen lassen. Überraschung gelungen!

Maifeld Derby 2019

SONNTAG

Zugegebenermaßen war für mich der Sonntag der schwächste Tag, ich war jedoch sehr glücklich darüber, mich im Vorfeld tatsächlich nochmal durch die ganze Playlist bei Spotify zu hören, sodass ich JNR Williams entdeckte. Diese Stimme, dieser Soul, diese Musik! Während der Großteil zu Tocotronic stürmte, machte ich es mir mit ein paar anderen Besuchern im Parcours d’Amours gemütlich und freute mich auf den Auftritt des noch wirklich sehr unbekannten Briten.

Schon beim ersten Ton war ich absolut begeistert und wurde umgehauen von der Stimmgewalt. Ohne viel Schnickschnack, mit einem Multiinstrumentalisten und zwei Background-Sängerinnen präsentierte JNR Willimas seine kleine Songauswahl dem Mannheimer Publikum. Es war ein bisschen wie in einem kitschigen Film: Nach jedem Song kamen plötzlich mehr Menschen zur Tribüne und es erging ihnen offensichtlich wie mir. Nach dem dritten Song stand dann etwa die Hälfte des Publikums und war absolut hingerissen von dieser stimmgewaltigen Performance. Ich will gar nicht viel mehr versuchen, die Musik zu beschreiben, hört es euch an, überzeugt euch selbst. Für mich und für viele andere Besucher war das das absolute Highlight des Maifeld Derby 2019. JNR Williams selbst konnte nicht so ganz glauben, was da gerade passierte, denn am Ende bekam er Standing Ovations und einen 10-minütigen Applaus. Diese Performance konnte für mich einfach nicht mehr getoppt werden!

Maifeld Derby 2019

Ein bisschen Mitleid hatte ich dann mit den Mädels von Wyvern Lingo, die etwas eingeschüchtert von dieser atemberaubenden Performance von JNR Williams die Bühne betraten. Die irische Girlband überzeugte mich mit einem musikalisch sehr vielseitigen Auftritt. Sie mischen R&B, Folk und Pop, können alle drei sehr gut singen und sind gleichzeitig auch noch wahnsinnig sympathisch – das ist Girlpower! Für mich war das der krönende Abschluss des Maifeld Derby, ich ging glücklich und mit viel neuen Entdeckungen nach Hause.

Danke Maifeld Derby 2019 und komm bitte wieder in zwei Jahren!!!

Maifeld Derby 2019

Fotos: Sebastian Weindel (https://sebastian-weindel.de)