Porträt: Laura Carbone

Typen

Unwiderstehlich schön und düster zugleich: Attribute, die nicht nur auf die Mannheimer Sängerin Laura Carbone selbst, sondern auch auf ihre wunderbar melancholisch-treibenden Songs zutreffen. Grund genug, die Künstlerin vor wenigen Wochen an einem ihrer Lieblingsplätze, dem Mannheimer Luisenpark, zu treffen und mit ihr über Vergleiche mit Lana del Rey, Klischees über das vermeintlich exzessive Leben als Musikerin und ihre Wahlheimat Mannheim  zu sprechen.

Porträt der Künstlerin Laura Carbone


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Laura Carbone wurde nicht nur mit einem Namen geboren, der bereits wie ein Künstlername anmutet, sondern wirkt in einer faszinierenden Mischung aus rockigem Riot-Girl und mystischer Aura als wäre sie geradewegs einem David-Lynch-Film entsprungen. Verglichen wurde sie bereits mit namenhaften Ikonen wie Lana del Rey und PJ Harvey, die sie, nebst The Cure oder The Sisters of Mercy, selbst zu ihren musikalischen Vorbildern zählt:  „Mit solchen musikalischen Größen verglichen zu werden, deren Arbeit ich sehr schätze, empfinde ich als wahren Ritterschlag!“

Porträt der Künstlerin Laura Carbone

Porträt der Künstlerin Laura Carbone

Aus der Region stammend, lebt die schöne Laura bereits seit etlichen Jahren in Mannheim, eine Stadt, die sie als „eine sehr geerdete und ‚roughe‘ Stadt, die weder mit Ehrlichkeit noch mit Herzlichkeit geizt“ zu schätzen weiß. Der Wunsch, die Musik zum Lebensmittelpunkt zu machen, begleitet die heute 29-jährige bereits ihr gesamtes Leben hindurch, dennoch entschied sie sich erst einmal für ein solides BWL-Studium. Mit dem Studienabschluss in der Tasche war sie dann ab 2008, nebst Künstler und Produzenten Bonassis, Teil der Band „Deine Jugend“. Rückblickend war die damalige Begegnung mit ihrem heutigen Produzenten Bonassis wohl der erste wichtige Grundstein für ihre musikalische Laufbahn.

Bittersüß, atmosphärisch, geräuschvoll und schwer  – mit diesen Worten beschreibt Laura selbst den Sound ihrer ersten, im letzten Jahr erschienenen LP „Sirens“, die sie vom ersten Ton an, über die Lyrics bis hin zum Artwork mitgestaltete. „Es war einfach das Allergrößte, nach langer und mühevoller Arbeit endlich seine ganz eigene Vinylplatte in den Händen halten zu dürfen! Das war mein großer Moment als Künstlerin!“, schwärmt sie begeistert. Finanziert hat Laura ihr Debütalbum übrigens zu einem großen Teil auf eigene Faust via Crowdfunding. „Ich sah darin – neben dem Aspekt der finanziellen Unabhängigkeit – eine tolle Möglichkeit, um vor der eigentlichen Veröffentlichung schon ein Feedback zu meiner Arbeit einzuholen“, erklärt mir die junge Künstlerin.

Porträt der Künstlerin Laura Carbone

Porträt der Künstlerin Laura Carbone

Mit dem Schritt hin zur Solo-Artistin wechselte Laura Carbone nicht nur ihren Sound, der nun weitaus melancholischer wurde, sondern auch von deutschen Texten hin ins Englische: „Ich wollte mich auf einer komplett neuen Leinwand ausprobieren und dazu gehört für mich neben der neuen Instrumentierung, einem anderen Vibe, natürlich auch die englische Sprache dazu. Zudem ist das Reisen für mich essentiell und es scheint so als würden sich internationale Türen öffnen, wenn man sich außerhalb der Landessprache bewegt.“ So kam der Wahlmannheimerin im diesjährigen März die Ehre zuteil, beim Festival „South by Southwest“ im amerikanischen Austin aufzutreten, einer Veranstaltung, die bereits für zahlreiche Künstler zum Sprungbrett wurde.

Porträt der Künstlerin Laura Carbone

Festivals, zahlreiche Gigs und ein anstrengendes Tourleben: wie viel der gängigen Klischees über ein vermeintlich exzessives Künstlerleben treffen denn tatsächlich auf das Leben der Sängerin zu? „Wenn ich nicht auf Tour bin, habe ich eine recht geregelte Woche und lebe geerdet zwischen festen Studiotagen, Fotoaufträgen und meinem Officejob. Diese Struktur gibt mir Freiheit in vielerlei Hinsicht – das mag bizarr klingen, ist aber so,“ und gesteht dann augenzwinkerd weiter, dass ein paar der gängigen Klischees auf Tour dann hin und wieder doch zutreffen.

Porträt der Künstlerin Laura Carbone

Porträt der Künstlerin Laura Carbone

Bleibt abschließend die Frage, ob Laura ihrer Heimat Mannheim denn weiterhin treu bleiben möchte? „Die Phase der Verliebtheit, die man zu Beginn einer Beziehung so hat, ist leise am Abklingen. Mich zieht es daher regelmäßig für einige Tage in andere Städte um fremde Luft zu atmen, neue Eindrücke und Inspirationen aufzusaugen. Ich glaube man wird blind, wenn man sich nicht bewusst für andere Ideen und Lebensstile öffnet. Allerdings weiß ich, was ich an der Stadt habe, da hier so viel Schönes, Gewohntes und Liebenswertes auf mich wartet.“ Laura kehrt daher doch immer wieder gerne in ihre Heimat zurück um bei ihrem Lieblingsitaliener „Blanco“ in der Schwetzinger Vorstadt bei einem Glas Nero d’Avola über die leckeren Sardellenfilets alla Siciliana herzufallen.

Porträt der Künstlerin Laura CarboneFotos: Sebastian Weindel (www.sebastian-weindel.de)

Merci beaucoup, liebste Laura!

– und an dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an den Mannheimer Luisenpark,
der uns für das Interview freundlicherweise die Pforten öffnete.