Annenmaykantereit

„Barfuß am Klavier“ – Annenmaykantereit Konzertreview

Musik

Es gibt Bands, denen man förmlich beim rasanten Aufstieg zuschauen kann. Annenmaykantereit gehört definitiv in diese Riege. Da ist auch der Name, der im ersten Moment seltsam klingt, kein Hindernis. Klar, als Generation Internet wissen wir inzwischen alle, dass der Name einfach nur eine Aneinanderreihung der drei Nachnamen der Bandmitglieder ist. Und wir wissen auch Bescheid, wie das alles angefangen hat mit diesen Kölner Lausbuben. Gesucht und gefunden, Straßenmusik, Vorband von namhaften deutschen Acts wie Clueso, sagenhafte Klicks auf YouTube, ein Liedchen mit den Jungs von K.I.Z. und so weiter.

©Simone Sohl

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Annenmaykantereit haben diese Woche nebenan im Studentenstädtchen Heidelberg Halt gemacht und direkt die Halle02 gefüllt. Kein Wunder, die halbe Tour ist ausverkauft, sodass sogar Zusatztermine her mussten. Das Publikum zeigt, dass die ehrliche Musik von Annenmaykantereit Generationen versöhnt: Studenten stehen neben älteren Damen, ältere Damen stehen neben noch älteren Damen und nebenan steht das Enkelkind. Sogar die halbstündige Gitarrenstimmorgie nach der Vorband Findlay, die ich ziemlich eintönig fand, wird beinahe ohne Murren in Kauf genommen.

©Simone Sohl

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Sobald Annenmaykantereit die Bühne betreten, wird jeder von Sänger Hennings kratziger, tiefen Whiskey-Stimme mitgerissen. Kaum zu glauben, dass aus diesem schlacksigen Kerl eine solche Stimmgewalt kommt. Doch genau dieser Moment ist es, der Annenmaykantereit noch ein bisschen mehr als nur das gewisse Etwas verleiht. Gepaart mit klugen, direkten aber trotzdem simplen Texten ist das die Band der Stunde. Der Wechsel zwischen Pop, Rock und Blueselementen kommt so entspannt daher, dass alles insgesamt ein stimmiges Bild ergibt. Mir wird klar: hier stehen Vollblutmusiker auf der Bühne.

Annenmaykantereit

©Simone Sohl

Die Texte sind das Gerüst von Annenmaykantereit. Es geht um simple Sachen wie: mehr Blumen auf dem Balkon der Männer-WG, den dauerhaften Blick aufs Smartphone oder die Kunst, ein Mädchen zum länger bleiben zu animieren. Normale Dinge, die jeder, der die Pubertät hinter sich hat, kennt. Sänger Henning verpackt diese Dinge in eine herrliche Alltagslyrik. Es sind die kurzen Momente, manchmal nur zwei Wörter lang, die den Zuhörer zum Lachen bringen.

©Simone Sohl

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Kaum haben Annenmaykantereit die Bühne nach dem abwechslungsreichen Set verlassen, werden sie mit „Zugabe“-Rufen gefeiert und sind auch gleich wieder da. Sie spielen noch drei Songs, zum Schluss die schnelle Tanzhymne „21,22,23“. Jetzt wippt tatsächlich jeder mit, viele singen sich nochmal die Seele aus dem Leib. Spätestens jetzt wird klar: Annenmaykantereit spielen den Soundtrack einer ganzen Generation. In diesem Sinne:

„Und wenn ich dich dann frage, was du werden willst
Dann sagst du immer nur „Ich weiß nicht. Hauptsache nicht Mitte 30“