Dennis Adelmann

Uncover Designfest: Sagmeister – Interview mit Dennis Adelmann

Kunst und Kultur

Von Mannheim nach New York – so schnell kann es gehen. Zumindest ging es so schnell im Falle von Dennis Adelmann, der ein wahres Ausnahmetalent in Sachen Design ist. In den letzten Monaten hat er sein Büro im C-Hub gegen einen Praktikumsplatz bei der legendären Sagmeister&Walsh Agentur im Big Apple eingetauscht. Normalerweise ist Dennis Teil des Kreativstudios OUI R, die unter anderem dafür verantwortlich sind, dass die Website von Lena Meyer-Landrut eine komplett Überholung in Sachen Design erhalten hat.

Dennis Adelmann Sagmeister


Anzeige

Im Rahmen des Uncover Designfestes und des kommenden Vortrages von Designpapst Stefan Sagmeister haben wir uns Dennis geschnappt und ihn über seine Zeit bei Sagmeister&Walsh in New York, das Verhältnis von Glück und Design und seine spannende Projekte interviewt.

Dennis Adelmann Sagmeister

Du kommst gerade von Deinem Praktikum in New York bei Sagmeister&Walsh zurück nach Mannheim. Welche Erfahrungen hast Du dort gemacht, was waren Deine persönlichen Highlights?

Dennis Adelmann: Ich wurde in viele spannende und auch abwechslungsreiche Projekte integriert. Es war auch sehr interessant zu sehen, wie eines der bekanntesten Designstudios ihre Projekte koordiniert. Mein Highlight war mit einem sehr gut aufgestellten Team arbeiten zu dürfen und nun die Möglichkeit zu haben, weiterhin für Sagmeister & Walsh von Mannheim aus zu arbeiten.

Wie schafft man es eigentlich bei einer Warteliste von durchschnittlich 3 Jahren an solch ein begehrtes Praktikum zu kommen? Gibt es irgendwelche Tipps oder Tricks?

Dennis Adelmann: Die Idee, sich bei Sagmeister & Walsh zu bewerben, war eine ziemlich spontane. Eigentlich wollte ich das Praktikum für das Praxissemester an der Uni machen, durch die lange Wartezeit wurde daraus aber leider nichts. Ich hatte eine extra Website speziell für mein Interesse an der Praktikumsstelle gemacht. Im Vordergrund standen hierbei Ich und meine Arbeit, welche auf einem Onepager (eine Website, die nur aus einer einzelnen Seite besteht; Anm. d. Red.) interaktiv gezeigt wurde. Nachdem ich die Bewerbung verschickt hatte, vergingen nur wenige Stunden. Das größte Highlight der Mail war, neben der Zusage, ein beigefügter Kommentar von Sagmeister persönlich: „Great work“.

Dennis Adelmann OUI R

Gibt es etwas Besonderes oder Prägendes, was Du während Deiner New Yorker Zeit gelernt hast?

Dennis Adelmann: Die Tage bei und neben Sagmeister&Walsh waren sehr prägend. Gerade im Bereich „Design“ ist New York unglaublich facettenreich. Gefühlt gibt es jeden Tag eine andere Ausstellung, Parties in anderen Designstudios oder andere Happenings.

Die Deutschen werden oft als funktionales Volk bezeichnet, für die Design und Optik nur an zweiter Stelle steht. Hast Du einen Unterschied zwischen dem Verhältnis der Amerikaner zu Design und dem Verhältnis der Deutschen zu Design festgestellt?

Dennis Adelmann: Die Perfektion ist bei uns schon wichtiger als Kompromisse eingehen zu müssen. Was den Anspruch an Design angeht, glaube ich, dass viele in Deutschland oder auch außerhalb sich oft nicht bewusst Gedanken darüber machen. Zwar ist ein natürliches Interesse für eine angenehme Optik bei den meisten gegeben, es fehlt jedoch meist an Tiefgründigkeit zum Design. Darunter fallen für mich als Konsument und Designer meist Fragen wie: „Welche Emotionen verbirgt es und welchen Trend bringt es mit sich oder wie wird es es meine Wahrnehmung prägen?“. Allgemein verstanden fehlt mir persönlich die deutsche Gewichtung zwischen Design und Funktionalität. Daher ist es für viele einfacher, das Funktionale und den Preis – sei es für Möbel, Technik oder Sonstiges – über dem Design zu sehen. Es ist aber positiv zu sehen, dass der Anspruch an der Gestaltung im Allgemeinen immer wichtiger wird.

In Sagmeisters Vortrag bei Uncover Mannheim geht es unter anderem um Glück. Was bedeutet für Dich persönlich Glück und würdest du Sagmeister zustimmen, dass Glück und Design zusammenhängen?

Dennis Adelmann: Design und Glück hängen in der Tat miteinander zusammen. Für mich gibt es kein schöneres Gefühl in unserem Beruf, als etwas zu schaffen, das einen nach einem langen positiven Schaffensprozess in Zufriedenheit stehen lässt. Auch Nachrichten von Designern oder Nicht-Designern aus anderen Ländern geben mir ein gutes Gefühl, das Richtige zu tun.

Dennis Adelmann OUI R

Hattest Du Zeit, New York zu erkunden? Wenn ja, was hat Dir gefallen und was nicht? Hast Du einen Tipp für unsere Leser?

Dennis Adelmann: Ich hatte die Abende und Wochenenden, um mit meiner Freundin und Freunden aus dem Studio die Stadt zu erkunden. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten seine Zeit zu vertreiben, sei es auf Konzerten, in Museen, Bars oder Restaurants. Die prägnantesten Stadtteile waren für mich mein Wohnort Greenpoint, Williamsburg, Chelsea und Soho. Greenpoint und Williamsburg überragen mit ihren kleinen unabhängigen Stores, Cafés und Bars. Soho mit seinen Boutiquen und Chelsea mit seinen Galerien. Das Schöne am Erkunden von New York ist, dass man egal wie oft man schon in einem Stadtteil war, immer wieder etwas Neues und Interessantes entdeckt.

Wie ist es für Dich, von einer Millionenstadt in den USA in Deine Heimatstadt Mannheim zurückzukehren? Was wirst Du besonders vermissen?

Dennis Adelmann: Ich glaube von New York kann man sich als Designer nur schwer trennen. Zumindest geht es mir so. Die Stadt an sich und ihre Menschen gaben mir in den letzten drei Monaten Inspiration wie es bisher noch kein anderer Ort tat. Das wird mir wohl am meisten fehlen — Neues zu entdecken, interessante Menschen kennenzulernen und nicht zu wissen, was einen noch erwarten wird.

Mannheim wird ja oft wegen der Quadrate als „kleines Manhattan“ bezeichnet. Hast Du noch mehr Gemeinsamkeiten entdeckt?

Dennis Adelmann: Es ist schwer, einen Vergleich zwischen einer der größten Städte der Welt und Mannheim zu ziehen. Viel wichtiger ist es, sich diese Städte als Vorbild zu nehmen und sich von ihnen inspirieren zu lassen. Zum Beispiel kleine Cafés und Restaurants, spezielle Läden, eben die besonderen Stores, die es in Mannheim leider nur selten zu finden gibt.

Dennis Adelmann Sagmeister & Walsh

Was gefällt dir am C-Hub?

Dennis Adelmann: Das C-Hub war auf jeden Fall das Richtige für eine Stadt wie Mannheim. Es ist schön anzusehen, wie sich Mannheim in den letzten Jahren weiterentwickelt hat und sich für immer mehr Veranstaltungen in der Kreativregion engagiert. Mit am meisten gefällt mir am C-Hub die gut durchdachte Architektur, welche sich perfekt von Kreativen bespielen lässt. Auch die Möglichkeit und Nutzung der Meetingräume sind ein großes Plus, welches das C-Hub um so attraktiver für uns Kreative und auch Kunden macht. Es gibt keinen negativen Punkt, den ich finden kann und ich bin wirklich sehr froh, ein Teil davon mit unserem Studio sein zu dürfen.

Hattest du selbst bereits einen spannenden Austausch oder ein gemeinsames Projekt innerhalb des C-Hub mit einem anderen Kreativen/Mieter?

Dennis Adelmann: Ja, es ging wirklich schnell. Schon in den ersten Monaten hatten wir mit unserem Studio verschiedene Projekte, welche intern mit anderen Mietern zustande kamen. Gerade im Bereich des Netzwerkens sehe ich C-HUB´s größte Stärke und auf lange Sicht eine tragende Rolle in Mannheims Kreativviertel.

Dennis Adelmann

Zum Abschluss, was war für dich als Designer dein bisher spannendstes, aufregendstes oder auch herausfordernstes Projekt?

Dennis Adelmann: Als Designer haben wir oft die Möglichkeit, unsere Projekte selbst zu bestimmen, es liegt an uns, wie spannend es für uns sein wird. Daher finde ich, dass man als Designer jedes neues Projekt so angehen sollte, dass es aufregend und herausfordernd ist, sich auf Neues einlassen und andere Kreative für Projekte in das Team zu holen. Und je nachdem ob es das Projekt zulässt, auch etwas Neues einfließen zu lassen, dass man zuvor vielleicht noch nicht gemacht hat.

Welche Ziele hast du für die Zukunft? 

Dennis Adelmann: Zusammen mit meinem Studio OUI R sich auch mehr auf eigene Projekte konzentrieren, Neues zu erschaffen und erlernen, in neue Bereiche einzutauchen, Kollaborationen mit anderen Kreativen… die Liste und Pläne für die Zukunft ist sehr lang und genau das ist mir auch wichtig: zu wissen, wo man hin möchte und die Möglichkeit zu haben, gezielt daraufhin hinzuarbeiten.

Am 08.07. hält Stefan Sagmeister einen Vortrag über „Happiness by design“ in Mannheim – ein absolutes Muss für alle Kreativen und Fans von gutem Design! Es gibt noch ein paar Karten, also schnell noch zugreifen! Mehr Infos gibt es hier.

Dennis Adelmann

Fotos: Sebastian Weindel (www.sebastian-weindel.de)

Besucht die Homepage:

http://www.dennisadelmann.de/

http://oui-r.de/

OUI R
Hafenstraße 25-27
68159 Mannheim

Straßenbahnen: 2, 6
Haltestelle: Dalbergstraße oder Rheinstraße
Bus: 60
Haltestelle: Teufelsbrücke