[Kunst]projekte – Neue Ausstellung fragmented realities

Kunst und Kultur

Vor fast genau einem Jahr hat in der Neckarstadt [Kunst]projekte seine Pforten geöffnet und bringt ein individuelles Konzept mit sich, welches sich bereits im Namen widerspiegelt. Unterschiedliche, spannende Projekte stehen im Mittelpunkt, wobei sich die Inhaberin Monica Ruppert nicht nur auf eine bestimmte Kunstrichtung festlegt, sondern offen gegenüber jeglicher Kunst ist. Diese Offenheit zeigt sich mir auch bei der aktuellen Ausstellung „fragmented realities“ des in Mannheim geborenen und mittlerweile in Berlin lebenden Fotografen Thomas Kutschker.

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Als ich den Ausstellungsraum das erste Mal betreten habe, ist mir direkt die Helligkeit aufgefallen, die die Räumlichkeiten durch das fast schaufenstergroße Fenster durchströmt. Die Arbeiten „Kollisionen“ die Teil der aktuellen Ausstellung sind, sind im ersten Moment für mein Auge ungewohnt und trotzdem doch zugleich beeindruckend, da sie insbesondere die Wirkung der Panorama-Fotos komplett verändern. Insbesondere das von Thomas Kutschker gewollt Unperfekte am Foto, ermöglicht mir einen neuen Blick z.B. auf den Wasserturm und seine Umgebung.

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Was die Kuratorin Monica Ruppert an der Ausstellung fasziniert, seit wann sie den Künstler Thomas Kutschker kennt und was der Künstler selbst zu dieser Ausstellung sagt, erfahrt ihr jetzt in unserem Interview:

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Was ist das Konzept für die Galerie [Kunst]projekte?

Monica Ruppert: Ich wollte keine klassische Galerie sein, die z.B. ein festes Portfolio an Künstlern und feste Öffnungszeiten hat. Mein Anliegen war es außerdem von Anfang an, insbesondere jüngere Künstler zu fördern, die noch keine umfangreiche Vita haben oder direkt von der Akademie kommen. Darüber hinaus wollte ich nicht nur hier in diesen Räumlichkeiten Kunst ausstellen. Aktuell gibt es mit dem Caritas Verband Mannheim die Wanderausstellung „well, come to europe“, die an anderen Orten stattfindet oder auch eine Ausstellung in einer Mannheimer Kanzlei in Kooperation mit der Galerie Biesenbach aus Köln. Deshalb auch der Name [Kunst]projekte, denn mein Anliegen ist es, Projektarbeit zu machen.

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Wie sind sie auf Thomas Kutschker für die nächste Ausstellung aufmerksam geworden?

Monica Ruppert: Wir kennen uns nun bereits seit 35 Jahren und sind gleichzeitig Freunde und Kollegen. Seine Arbeiten sind beeindruckend vielfältig und wir wollten nun unbedingt gemeinsam eine Ausstellung umsetzen. So entstand gemeinsam die Idee zur Ausstellung „fragmented realities“

Was fasziniert Sie selbst an der aktuellen Ausstellung „fragmented realities“?

Monica Ruppert: Die Idee, das perfekte Bild machen zu wollen, ist ein interessantes Thema, mit dem ich mich natürlich auch selbst beschäftige. Obwohl es das perfekte Bild natürlich nicht geben kann. Bei den Arbeiten „Kollisionen“ dieser Ausstellung wird der Aufzeichnungsversuch abgebrochen und dadurch haben die Arbeiten fast schon etwas Mystisches, was mich persönlich besonders fasziniert.

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Herr Kutschker Sie sind in Mannheim geboren leben mittlerweile aber in Berlin und Köln. Welche Verbindung haben Sie zu Mannheim. Was macht Mannheim für sie besonders?

Thomas Kutschker: Mannheim ist ein Ort, den ich inzwischen wieder gerne besuche. Ich fühle mich hier zu Hause, was an dem regen Austausch mit guten alten Freunden und meiner Familie liegt. Das kulturelle Leben hat sich in den letzten Jahren phänomenal entwickelt, Anschluß an die internationale Sze- nen und Diskurse gefunden. Ich lasse mich immer wieder gerne überraschen, wenn ich durch die Stadt flaniere und neue Galerien und Veranstaltungsorte entdecke – gerade in Vierteln, die in ihrer Bewohnerstruktur als schwierig gelten.

Was fasziniert sie an Film und Fotographie?

Thomas Kutschker: Meine Faszination für diese Medien ist nach wie vor vergleichbar mit der Neugierde eines Kindes, das sich von der Welt überraschen lässt und sie darüber entdeckt. Verändert hat sich über die Jahre hat sich mein Schwerpunkt und meine Arbeitsweise oft von Serie zu Serie verändert. Aus der Begeisterung für die dokumentarische Abbildungsleistung wurde zunehmend ein Ausloten der Grenzen der Medien. Das ist auch Thema der Ausstellung bei den [Kunst]projekten. Die technischen Grenzen – das technisch Machbare – der digitalen Bildwelten verschieben sich nach wie vor rasant. Mich interessieren gerade die Randunschärfen. Die Konstellationen, die die Aufzeichnungstechnik nicht ohne Einbußen bewältigt und so das Konstruierte und Normierte sichtbar wird.

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Wie würden Sie Ihre aktuelle Fotografie und die Videoarbeiten, die Sie bei der Ausstellung „fragmented realities“ zeigen, selbst in zwei bis drei Sätzen beschreiben?

Thomas Kutschker: „Fragmentierte Wirklichkeiten“ – klingt im Deutschen nicht annähernd so poetisch – war das Leitmotiv der Auswahl. Die Ausstellung umfasst Arbeiten aus 25 Jahren. Vom analogen Video bis zu digitalen Panoramen gibt es Bildwelten zu sehen, die sich mehr oder weniger auf bekannte Motive wie „die Kerze“, „Landschaftsbild“ und „Stadtansicht“ beziehen, auf den zweiten Blick dann aber hoffentlich irritieren und neugierig machen.

Wieso gibt es Ihrer Meinung nach im Kontext der Ausstellung das perfekte Bild nicht?

Thomas Kutschker: Die Ausstellung „fragmented realities“ zeigt Arbeiten, die offensichtlich technisch nicht perfekt sind. Die Bildober ächen und Strukturen sind gebrochen, die digitalen Bausteine, die Pixel sichtbar. Das entspricht weder den Seherwartungen noch den Herstellervorgaben dieser technischen Bilder. Deren Ziel ist eine möglichst störungsfreie Abbildung der Realität, wie wir sie als Konsumenten um uns herum wahrzunehmen glauben.
Das perfekte Bild ist kein Kriterium, das ich heute für relevant bei einer Bildbetrachtung oder bei der Bilderzeugung halte. Viele Bilder sind in sich stimmig – oder gerade auch nicht -, könnten aber auch anders aussehen. Die künstlerische Auswahl ist ein Diskussionsangebot. Die KünstlerInnen entscheiden sich für eine Version und der Betrachter kann dies als Vorlage nehmen und für sich weiterdenken oder weiterentwickeln.

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Ist die Kreativität durch die vielen digitalen Techniken mittlerweile zu sehr eingeschränkt oder hilft die Technik neue kreative Bildwelten zu erschaffen, die zuvor nicht möglich waren?

Thomas Kutschker: Eine komplexe Frage, die ich einfach mit:“Ja“ beantworten würde. Es ist beides der Fall. Es war in der Menschheitsgeschichte noch nie so einfach, beeindruckende Fotos zu machen und genau das ist die Herausforderung. Trotz dieser Bilderflut einen konzeptionellen Ansatz zu finden, der nicht unbedingt schöne, aber interessante Bildwelten entstehen lässt.

Welchen Ort in Mannheim würden Sie jemandem empfehlen, der zum ersten Mal nach Mannheim kommt? Weshalb?

Monica Ruppert: Ich finde den Speicher7 nach wie vor eine tolle Location, da es etwas aufgreift, woraus Mannheim generell mehr machen sollte: das Leben am Wasser. Die noch recht neu eröffnete Galerie Port25 kann ich auch empfehlen und ich bin persönlich sehr gespannt auf die neue Kunsthalle.

Thomas Kutschker: Den Fernsehturm. Den habe ich bereits Ende der 70er Jahre fasziniert episch auf Super 8 festgehalten. Er bietet einen fantastischen Überblick über die Region – in Panoramen!

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Fotos: Sarina Kullmann (http://www.vergissmeinnicht-fotografie.de/)

Zum Schluss für alle Kunstinteressierten noch ein paar Infos zu den nächsten Ausstellungen bei [Kunst]projekte. Bei der Kulttour die am 23 und 24. Juli in der Neckarstadt stattfindet werden Arbeiten von Cornelia Starke einer Malerin aus Leipzig gezeigt. Die Kulttour ist interkulturelles Kunst- und Kulturfestival, welches bereits zum 8ten Mal in Mannheim ist. Ab dem 16.09 bis zum 14.10.2016 wird es dann eine Ausstellung von Katja Schwinn und Christin Trautmann mit dem Namen „zeitschleifen“ geben.

Besucht die Homepage:
http://kunstprojekte.eu/

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[Kunst]projekte
Lange Rötterstraße 68
68167 Mannheim
Telefon: +49 (0) 171 1836462
Email: info@kunstprojekte.eu

Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten nach telefonischer Absprache

Straßenbahn: 1, 2, 3, 4, 5
Haltestelle: Alte Feuerwache oder Lange Rötterstraße