Helge Schneider, Zeltfestival Rhein-Neckar

Helge Schneider Konzertreview – „Mannheim, es war schön!“

Musik

Es ist der letzte Veranstaltungstag des Zeltfestival Rhein-Neckars. Ein Hauch von Maifeld Derby liegt noch in der Luft auf dem Maimarkt-Gelände, wo sich zum krönenden Abschluss rund 1500 Menschen einfinden. Sie alle sind hier, um im verbleibenden Palastzelt Helge Schneider zu sehen – den Künstler, an dem sich so manche Geister scheiden.

Helge Schneider, Zeltfestival Rhein-Neckar© Thorsten Dirr

Im Zelt ist die Vorfreude der Besucher deutlich spürbar. Als Helge Schneider samt Band dann pünktlich die Bühne betritt, bricht frenetischer Applaus los. Anzug, Hemd, Jeans-Käppi: Ganz in blau gehüllt begrüßt der multitalentierte Ruhrpottler sein Publikum mit einem schwungvollen „Mannheim, schön war’s!“. Viele Lacher und noch mehr frenetischer Applaus folgen. Kommt ja auch nicht alle Tage vor, dass ein Konzert mit einem Abschiedslied beginnt. Logik sucht man bei Helge Schneider oft vergebens – genau deshalb mögen ihn seine Fans. Mich eingeschlossen.

Helge Schneider, Zeltfestival Rhein-Neckar© Thorsten Dirr

Oft kommt er ins Plaudern, philosophiert fantastische Geschichten zusammen, die nach jedem gedachten Satzzeichen Haken schlagen und laut „Haha, plot twist!“ zu rufen scheinen. Am lustigsten ist fast, dass Helge Schneider immer wieder über sich selbst lachen muss. Über die Bewegungen, die seine Gliedmaßen zum Rhythmus der Musik machen, über die Dinge, die ihm spontan über die Lippen kommen. Meist sind das ganz banale Dinge. „Man kommt so schnell ins Schwitzen… und Schweiß kühlt“, erzählt er trocken zwischen zwei Liedern. Vor der Bühne halten wir uns prustend die Bäuche, weil selbst improvisierte Binsenweisheiten, die eigentlich nur ein Augenrollen verdienen, aus Helge Schneiders Mund sehr ulkig klingen.

Helge Schneider, Zeltfestival Rhein-Neckar© Thorsten Dirr

Helge Schneider hat viele Talente. Dass er sich selbst ein klein wenig mehr als Tonkünstler denn als Komiker sieht, wissen eingefleischte Fans schon lange. Egal ob am Klavier, der Gitarre oder auch an Trompete und Saxofon – der Vollblutmusiker geht sichtlich auf im Zusammenspiel mit seinen wundervollen Bandmitgliedern. Peter Thoms am Schlagzeug, Rudi Contra am Bass, Sandro Giampietro an der Gitarre, Carlos Boes am Saxofon und Sergej Gleithmann als tanzender Meisenmann bilden ein eingeschworenes Team und sind die perfekten Komplizen für Helge Schneiders Einfälle, Launen und Sperenzchen.

Helge Schneider, Zeltfestival Rhein-Neckar© Thorsten Dirr

Mit stoischer Gelassenheit nehmen die Herren hin, dass ihr Bandleader ab und an abrupt einen Song beendet oder auf ein spontanes Gitarrensolo von Giampietro besteht. Genau wie das Publikum wissen auch sie höchstwahrscheinlich nicht, was im nächsten Moment geschehen wird. Am wenigsten scheint Helge Schneider sich selbst drüber im Klaren zu sein. Doch neben all dem Impro-Feuerwerk hat dieser natürlich auch wieder einen bunten Strauß an Running Gags mit im Gepäck: Teebutler Bodo Oesterling beispielsweise, der perfekt dressiert auf Zuruf Kamillentee serviert. Die liebevollen Seitenhiebe auf die rüstigen Bandmitglieder, die „den Altersdurchnitt im Keller versenken“. Die kleinen Anekdoten vom Vorabend, als sich Helge Schneider den Heavy Metal & Hard-Rock-Tag des Zeltfestivals ansah und sich über die langhaarigen und stark schwitzenden Metaler in ihren Lederkluften amüsierte..

Helge Schneider, Zeltfestival Rhein-Neckar© Thorsten Dirr

Ein Best of Helge Schneider hören wir an diesem Abend: „Es gibt Reis“, „Der Telefonmann“ und die „Wurstfachverkäuferin“ sind genauso dabei wie wunderbare Persiflagen auf deutsche Schlager, brasilianischen Bossa Nova oder gitarrenlastigen Blues. Dazwischen Lobeshymnen auf die Quadratestadt, die mal mehr und mal weniger fundiert sind, aber stets charmant mit einem Augenzwinkern abgeliefert werden. Für die größten Lacher sorgen die Assoziationskette „Mannheim – Frauheim – Kinderheim“ und die Feststellung: „Eure Stadt sieht aus wie ein Kreuzworträtsel!“

Helge Schneider, Zeltfestival Rhein-Neckar© Thorsten Dirr

„240 Years of Singende Herrentorte“ nennt sich diese Sommertournee. „Jetzt ist der Abend bald vorbei und ich könnte heulen“, raunt Helge Schneider gegen Ende in sein Mikrofon, und ich mache mir eine mentale Notiz, bald wieder ein Kuchenkränzchen zu veranstalten, bei dem ausschließlich die Schneiderschen Platten laufen. Warum? Weil auch Nonsens entgegen seiner Wortbedeutung Sinn machen kann. Und zwar besonders dann, wenn Helge Schneider ihn inszeniert und seinen Fans damit ein breites Lächeln ins Gesicht zaubert.

Helge Schneider, Zeltfestival Rhein-Neckar© Thorsten Dirr

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