Interview mit BOY – Vorfreude aufs Mailfeld Derby

Musik

Wie ihr hoffentlich alle wisst, steht bald wieder das schönste, gemütlichste und sowieso beste Festival an: das Maifeld Derby. Das Line-Up dieses Jahr kann durchaus mit größeren Festivals mithalten und wir sind schon sehr gespannt auf die tollen Live-Acts wie James Blake, Mø und Daughter. Einer der Headliner ist das Duo BOY, das inzwischen schon lange kein Geheimtipp von Indie-Fans mehr ist. Ihr moderner Pop-Rock zeigt wieder mal, dass Qualität sich durchsetzt und so haben sie im letzten Jahr sogar ganze Hallen auf der anderen Seite des Atlantiks gefüllt.

Wir sind sehr stolz, dass wir ein Interview mit Valeska und Sonja über ihre USA-Tour, ihr neues Album „We were here“ und über ihre musikalischen Pläne führen durften. Unsere Vorfreude aufs Maifeld Derby ist damit noch mehr angestiegen und wir zählen schon die Tage bis Anfang Juni. Aber genug von unserer Seite, jetzt kommt BOY zu Wort:


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Wenn ihr euch das diesjährige Line-up des Maifeld Derby anseht, welchen Act wollt ihr selbst auf keinen Fall verpassen und warum?

Valeska: Wir haben uns sehr gefreut zu hören, dass wir am gleichen Tag wie Daughter spielen. Und Battles will ich mir auch unbedingt anschauen, ihr Song „Atlas“ hat live bestimmt eine unglaubliche Wucht. Kate Tempest und Käptn Peng hätte ich auch gerne gesehen, aber die spielen leider zwei Tage vor uns.

Ihr habt mittlerweile auch Konzerte in Amerika gespielt, was waren für euch persönlich die Unterschiede im Vergleich zu Deutschland oder der Schweiz bzw. Europa generell? 

Sonja: in den USA hatten wir das Gefühl, dass die Leute die englischen Texte natürlich noch unmittelbarer verstehen als hier, das merkt man bei den Konzerten, weil das Publikum stärker auf die Texte im speziellen reagiert. Schön ist auch, dass generell der Beruf „Musiker“ viel anerkannter ist als in Deutschland. Überhaupt, man hat das Gefühl dort darf jeder seinem Traum nachgehen, egal wie abwegig der vielleicht erst mal erscheinen mag. Frei nach dem Motto: „Du schaffst das, Baby!“. Das finde ich gut.

Welche Erlebnisse sind euch von den Konzerten in Amerika im Gedächtnis geblieben, positiv, sowie negativ?

Valeska: Es ist schwierig, einzelne positive Erlebnisse herauszupicken – jeder Tag hat sich dort einfach wie ein grosses Abenteuer angefühlt. Wir haben in kleinen und in grossen Clubs, auf einem Schiff, in einem Wohnzimmer, in einem Pizza- und einem Plattenladen gespielt. Es war so schön für uns, dass dieser Traum vom Touren durch Amerika für uns in Erfüllung gegangen ist. Und dass so viele Leute kamen, die unsere Songs schon kannten und mitsingen konnten. Geärgert habe ich mich über das teilweise mangelnde ökologische Bewusstsein – die vielen Plastikverpackungen und das Plastikbesteck bei fast jedem Hotelfrühstück. Ausserdem ist die Einreise in die USA kein Spass. Unser Gitarrist musste seine nach dem Flug völlig verstimmte Gitarre auspacken und den Officers was vorspielen, um zu beweisen, dass er wirklich Musiker ist.

Da ihr generell durch die Musik viel reist, was sind jeweils eure Lieblingsstädte und warum? 

Sonja: am Touren finde ich toll, dass man so viele unterschiedliche Orte sieht, die man dann auf seiner hier-muss-ich-noch-mal-mit-Zeit-herkommen-Liste eintragen kann. Definitiv gehören für mich persönlich dazu Seattle, Tokio und Reykjavik. 

Seid ihr froh, im Rahmen einer Tour länger zu reisen oder seid ihr lieber gerne länger an einem Ort? Welche Bedeutung hat für euch Heimat und wo ist das für euch?

Valeska: Heimat ist für mich mittlerweile ein ziemlich elastischer Begriff. Eigentlich kann ich mich immer dort zu Hause fühlen, wo ich mit Menschen zusammen bin, die ich gern habe und die mir vertraut sind. Weil wir mit unserer Band und Crew mittlerweile schon so viele Jahre unterwegs sind, gibt es zum Glück auch auf Tour so etwas wie ein familiäres Heimatgefühl. Aber das eigene Bett ist manchmal unschlagbar.

Beendet den folgenden Satz. Auf Tour zu sein bedeutet für uns…

Sonja: …den Horizont erweitern, Eindrücke sammeln, unsere Musik und besondere Momente mit anderen Menschen teilen. 

Wie ordnet ihr für euch selbst das zweite Album ein? Was war und ist anders im Vergleich zum ersten Album?

Valeska: Die Arbeitsweise war relativ ähnlich. Wir haben wieder sehr zurückgezogen mit unserem Freund und Produzenten Philipp Steinke gearbeitet und uns wieder sehr viel Zeit gelassen, um für jeden Song das richtige Gewand zu finden. Die Gewichtung der Instrumente und die Art, wie sie klingen, hat sich aber schon etwas verändert. Und auch inhaltlich haben uns neue Dinge beschäftigt. Uns war es wichtig, dass wir uns weiterentwickeln und uns nicht wiederholen. Wir empfinden We Were Here als ein bisschen dunkler, grösser, vielleicht ein bisschen erwachsener als Mutual Friends. Für uns als Band war es der logische nächste Schritt.

Welchen Anspruch stellt ihr an eure Musik? 

Sonja: Wir haben einen sehr hohen Anspruch, der sich vor allem während Schreibphasen oder im Studio bemerkbar macht, also dann, wenn die Songs entstehen beziehungsweise umgesetzt und aufgenommen werden. 

Was sind eure Ziele für die nächsten Jahre privat und beruflich als Musiker? Gibt es irgendwelche konkreteren Vorsätze?

Valeska: Im Moment sind wir hauptsächlich mit live spielen beschäftigt – langsam aber sicher wollen wir aber auch wieder anfangen, an neuen Songs zu arbeiten. Wo die musikalische Reise als nächstes hingeht, ist aber noch sehr offen – ich bin selber gespannt, wohin wir uns entwickeln werden! Und die privaten Pläne bleiben gerne privat.

Gibt es etwas, was ihr musikalisch gerne einmal probieren möchtet, was aber ganz anders wäre als BOY?

Sonja: wir erlauben uns während dem Schreiben eigentlich relativ viel und wir probieren auch während der Aufnahmen immer sehr viel aus. Das ist uns extrem wichtig und war schon immer so. Wir fänden es nicht sinnvoll, uns von vornherein einzuschränken, nur weil man bisher vielleicht etwas anderes gemacht hat. Es ist super wichtig in Bewegung zu bleiben. Am Ende wählen wir für ein Album dann die Songs aus, die für uns nach BOY klingen. Und die können so unterschiedlich klingen wie „we were here“ und „into the wild“.

Und nochmal zur Erinnerung: das Maifeld Derby geht vom 3.-5. Juni. 70 Künstler, 4 Bühnen, leckeres Essen, gute Stimmung, was will man mehr? Karten gibt’s noch hier.

©Sebastian Weindel

©Sebastian Weindel

Titelfoto: Debora Mittelstaedt, andere Fotos: Sebastian Weindel (www.sebastian-weindel.de)