Porträt: Hundepsychologin Angela Kniesel

Typen

Hunde sind bekanntlich seit jeher treue Begleiter des Menschen. Doch was tun, wenn Brutus ohne Unterlass kläfft und bellt oder Idefix einfach nicht stubenrein werden möchte? Wie in zwischenmenschlichen Beziehungen, gibt es eben auch in der Beziehung zwischen Mensch und Vierbeiner Schwierigkeiten und Konflikte, die es zu bewältigen gilt. Die Mannheimerin Angela Kniesel hat es sich zur beruflichen Aufgabe gemacht, Mensch und Tier bei genau diesen Problemen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ich traf die Hundepsychologin zusammen mit ihrem Hund Gizmo an einem regnerischen Herbsttag auf ihrer Hundewiese in Neckarau und fand dabei heraus, wie der Arbeitsalltag mit Mensch und Hund aussieht, wo man in Mannheim die schönsten Spazierstrecken für Hundebesitzer findet und ob Hund und Besitzer sich tatsächlich oftmals ähnlich sehen.

Angela Kniesel, Hundepsychologin


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Bereits seit ihrer Kindheit fühlte sich Angela mit Natur und Tier eng verbunden, besaß früher einmal sogar Pferde und wollte immer – wie so viele kleine Mädchen – Tierärztin werden. Doch der Weg bis zur Tierpsychologin hielt dennoch erstmal einige andere Abzweigungen für die 35-Jährige bereit. So arbeitete sie zunächst zehn Jahre im Marketing, bevor sie sich entschloss, ihre Hundeliebe mit dem Beruflichen zu verknüpfen, Tierpsychologie zu studieren und sich selbstständig zu machen. „In meiner zusätzlichen Ausbildung in Berlin bei der Wegbereiterin für Mensch-Hund-Kommunikation und Autorin Maja Nowak im Dog Institut lernte ich, wie Hunde untereinander kommunizieren und sich im Rudel ergänzen können. Bei meiner Arbeit versuche ich, genau diese Form der Kommunikation auf die Mensch-Hund-Beziehung zu übertragen, um von der vom Menschen ausgedachten, konservativen Hundeführungstechnik Abstand zu nehmen. Der Fokus liegt dabei auf einer vertrauensvollen Beziehung und Kommunikation zwischen Hund und Besitzer, ganz frei von jeglicher Dressur, Bestechung oder gar Gewalt.“

Hundepsychologin "Frau Kniesel" mit Hund Gizmo

Einen Hund ganz ohne Leckerlis zu erziehen, ja geht das denn überhaupt? Angela erklärt mir, dass manipulative Hilfsmittel wirklich nicht nötig seien. „Für mich steht das individuelle Wesen des Hundes und die Potentiale des jeweiligen Menschen im Vordergrund. Ich zeige den Besitzern in meinen Seminaren wer ihr Hund ist, wo dessen Stärken liegen und was er von ihnen benötigt, um sich vertrauensvoll führen zu lassen.“ Oftmals seien Mensch und Hund in festgefahrenen Verhaltensmustern gefangen. Aus diesen Gewohnheiten auszubrechen erfordere zu Beginn viel Einsicht und einen Haltungswechsel, der sich langfristig jedoch bezahlt mache. Hunde seien, ganz im Gegensatz zu Menschen, nicht nachtragend und daran interessiert, zu ihrer eigenen Natur zurückkehren zu dürfen.

Im Gespräch mit Hundepsychologin Angela Kniesel

Ein weiterer Punkt, der der Hundetrainerin sehr am Herzen liegt, ist eine artgerechte Fütterung, ein Thema, mit dem sie sich sehr intensiv auseinander gesetzt hat. „Ich befürworte eine Rohfleischfütterung aus zwei ganz wesentlichen Gründen: Zum einen hat es der Mensch noch nicht geschafft, durch züchterischen Einfluss den Magen- und Darmtrakt und die Zähne des Hundes zu verändern. Diese gleichen immer noch seinem Vorfahren, dem Wolf und dieser ist bekanntlich Fleischfresser. Ich bin überzeugt, dass ich meinem Hund durch eine artgerechte Fütterung ein Stück „Hund sein“ wiedergeben kann. Der zweite Grund ist, dass ich die klassische Tierfuttermittelindustrie nicht unterstützen möchte, die teilweise noch heute mit zweifelhaften Konservierungsstoffen arbeitet, die aber wiederum nicht ausreichend deklariert werden.“

Angela Kniesel, Hundepsychologin

In den zahlreichen Gruppen- und Einzelkursen als Hundepsychologin hat „Frau Kniesel“, so der Name ihrer Hundeschule, sicherlich schon so einiges gesehen und erlebt. Ich frage sie, ob sie das gängige Vorurteil „Wie das Herrchen, so der Hund“ denn bestätigen könne? „In vielen Fällen ja. Dabei muss ich immer an eine ehemalige Kundin denken, die exakt die gleiche Lockenpracht wie ihr Hund besaß und beide eine panische Angst vor Bienen hatten.“ Da kommt bei uns als Stadtblog natürlich die Frage auf, welche Hunderasse denn am besten zur Stadt Mannheim passen würde? Die Wahlmannheimerin entscheidet sich spontan für den Irischen Wolfshund: „Der hat ein barsches, struppiges Fell, aber ein sehr sympathisches Wesen – das trifft doch auch auf Mannheim ganz gut zu!“

Weißer Schäferhund: Gizmo

Angela und ihr weißer Schäferhund Gizmo wohnen seit über fünf Jahren bereits in Mannheim Neckarstadt. Spazieren gehen die beiden am liebsten im Käfertaler Wald oder im Waldpark. „Ich liebe es, ganz früh am Morgen an die Silberpappel zu gehen und im Sommer mit meinem Hund dort zu schwimmen!“ Für das nötige Hundezubehör gibt es für sie dagegen nur eine Adresse in Mannheim: „Martha und Lotte“, ein kleiner Hundeladen in den Quadraten. Privat geht sie am liebsten in die „Kombüse“ im Jungbusch oder für leckere Tapas ins „Speicher7“ und empfiehlt mir, doch einmal den tollen Mittagstisch in der „Osteria Lemoni“ auszuprobieren. Als Fan von Vintagemode und -möbeln stöbert Angela außerdem für ihr Leben gerne in den Secondhandhäusern „Fairkauf“ im Waldhof oder dem „Markthaus“ in Neckarau. „Ich lebe wirklich gerne in Mannheim und schätze die Stadt für ihre Toleranz, Multikulturalität und für ihren Raum für Kreativität!“ – tja, ein besseres Schlusswort hätte ich für dieses Porträt wohl nicht finden können.

im Gespräch mit Hundepsychologin Angela Kniesel

Fotos: Sebastian Weindel (www.sebastian-weindel.de)

Alle interessierten Hundebesitzer unter Euch finden weitere Infos zu Kursen und Seminare von „Frau Kniesel“ hier.