Wer in den letzten Monaten in Cafés und Restaurants in der Region unterwegs war, hat sie mit Sicherheit schon mal in der Hand gehabt: Keramik von Mura Mura Ceramics, direkt aus Mannheim. Zum Beispiel die beigen Espressotassen im neuen Locals Coffee in der Heidelberger Bahnstadt, die so angenehm in der Hand liegen. Oder die Teller mit dem extra-breiten Rand im Mary Jane in Heidelberg, die jedes Gericht präsentieren als wären sie eine Leinwand und das Essen die Farbe. Auch im gerade erst eröffneten Caypa Coffee in Mannheim finde ich Mura Mura Ceramics Coffee Cups, die so schön aussehen, dass ich sie am liebsten direkt mit nach Hause nehmen würde. Typisch für Mura Mura Ceramics ist die unglasierte bzw. naturbelassene Außenseite der Werkstücke.

Als ich die Manufaktur von Mura Mura Ceramics in der Schwetzingervorstadt zum ersten Mal betrete, weiß ich sofort, dass ich an einem besonderen Ort bin. Hier wird nichts industriell produziert. Hier wird gedreht, geformt, gebrannt und vor allem: gestaltet. Etwas mit den Händen machen, direkt Ergebnisse sehen, eigene Ideen in ein Produkt umwandeln – Keramik boomt seit einigen Jahren. Auch ich saß vor ein paar Jahren zum ersten Mal bei einem Töpferkurs hinter einer Drehscheibe, am Anfang skeptisch, danach total begeistert, weil das Töpfern so meditativ und produktiv gleichzeitig ist. Die beiden Mura Mura Ceramics Gründer Johannes und Daniel haben das Keramikstudio aber nicht auf Basis irgendwelcher Trends gegründet, sondern weil sie Menschen dabei unterstützen möchten, ein guter Gastgeber zu sein.

Das Thema Gastgebertum ist nichts Neues für Daniel und Johannes. Bereits 2019 haben sie die Brand Coyooco gegründet und bieten alles rund um Kaffee- und Espressozubehör an. Jetzt also Keramik, denn zum Gastgeben gehört natürlich auch die Präsentation der Speisen und Getränke. „Wir möchten mit den guten Gastgebern in den Restaurants und Cafés coole, einzigartige Produkte entwickeln und diese dann im besten Fall für den Privatkunden übersetzen, der zu Hause seine Gäste empfangen will.“, erklärt mit Johannes während er mir zeigt, wie aus einem Klumpen Ton ein Cappuccino Cup wird.

„Alles, was wir machen, entsteht auf der Drehscheibe“, erzählt er. Der Ton selbst kommt aus dem Westerwald, einer Region in Deutschland, die seit Jahrhunderten für ihre hochwertigen Tonvorkommen bekannt ist. Eine Tasse braucht nur wenige Minuten reine Arbeitszeit, viel weniger als ich dachte. Drei bis fünf Minuten zum Drehen, also dem Formen auf der rotierenden Scheibe. Danach folgt das Abdrehen: Dabei wird die bereits leicht angetrocknete Tasse noch einmal auf die Scheibe gesetzt und ihr Boden präzise nachbearbeitet, um ihre endgültige Form und Eleganz zu bekommen. Aber dann heißt es erstmal: warten. Denn Keramik braucht Zeit.

Einer der Begriffe, die im Keramikprozess immer wieder fallen, ist der sogenannte Schrühbrand. Das ist der erste Gang in den Ofen, wo der Ton bei Temperaturen um die 900 Grad gebrannt wird. Dadurch wird er hart, bleibt aber noch porös – also leicht saugfähig. Erst danach kann die Keramik glasiert werden und kommt nach der Glasur nochmal in den Ofen. Nach dem Auftragen der Glasur kommt das Stück ein zweites Mal in den Ofen – diesmal bei noch höheren Temperaturen. Erst danach ist es fertig und deshalb auch spülmaschinenfest und absolut alltagstauglich.

Das Besondere an Keramik: „Es entsteht fast kein Müll“, erklärt mir Johannes. Fehlerhafte oder nicht verwendete Stücke können einfach wieder neu verarbeitet werden. Der Rohstoff bleibt im Kreislauf und somit ist das Ganze nicht nur schön, sondern auch noch nachhaltig. Zudem entstehen alle Produkte von Mura Mura Ceramics hier in Mannheim. Mehr made in Mannheim geht also fast gar nicht.

Mura Mura Ceramics versteht sich jedoch nicht nur als Keramikmanufaktur, sondern als Designstudio. Ihr Fokus liegt darauf, gemeinsam mit Menschen Objekte zu entwickeln. Denn handgemachte Keramik kann etwas, was industrielle Ware nicht kann: sie kann auf individuelle Wünsche zugeschnitten sein. Ein paar Zentimeter höher. Ein breiterer Rand. Eine spezielle Glasur. Ungewöhnliche Formen. Alles kein Problem.

Vor Ort in der Werkstatt kann man daher nach vorheriger Vereinbarung über Instagram vorbeikommen und sich inspirieren lassen, einen guten Kaffee oder Matcha gibt es passenderweise auch für Besucher. Zurzeit werden Sie außerdem mindestens zwei Mal pro Woche gefragt, ob Mura Mura Ceramics Töpferkurse anbietet. Aktuell gibt es noch keine Kurse, Johannes und Daniel planen aber, in den nächsten Monaten damit zu starten. Vorerst liegt der Fokus noch auf den Kollektionen und Auftragsarbeiten. Gelegentlich gibt es auch mal Drops, also spezielle Kollektionen, die man nur für eine begrenzte Zeit kaufen kann.

Die Kreativität geht Johannes und Daniel definitiv nicht aus. „Es gibt noch so viel, was zum Gastgeben dazugehört, von Servierplatten über Vasen bis zu Hundenäpfen, wir haben noch ganz viele Ideen.“


Mura Mura Ceramics
Manufaktur und Designstudio
Traitteurstraße 56/Im Hinterhof
68165 Mannheim
Wichtig: Einen Besuch in der Manufaktur bitte per Instagram DM absprechen
Instagram
Website und Shop: https://www.muramuraceramics.de
Fotos: Sebastian Weindel
