Fünf Musiktipps für den Herbst

Musik

Wenn es früher dunkel wird, ist manchmal ein gemütlicher Abend zu Hause das beste Event. Feines Essen, etwas leckeres zu trinken, gute Gespräche oder ein gutes Buch können genauso viel Freude machen wie die Party des Jahres. Doch so richtig schön wird es abends meistens erst, wenn die richtige Musik läuft, egal ob auf dem Plattenspieler oder im Stream. Das wissen auch die Leute von der Musikindustrie, deshalb werden im Herbst immer besonders viele neue Platten veröffentlicht. Und damit euch an den wahrscheinlich zahlreichen verregneten Abenden nicht langweilig wird, habe ich euch ein paar aktuelle Neuerscheinungen und eine Wiederentdeckung zusammengestellt.

1. The War on Drugs – A Deeper Understanding

Wer sich einfach mal ins Auto setzen und durch herbstliche Wälder aufs Land fahren möchte, sollte sich dafür dieses Album vormerken. Der Nachfolger zum legendären und nicht weniger stimmungsvollen “Lost in the Dream” vereint alles, was sich seit Jahrzehnten auf Rocksendern im Radio bewährt hat. Zum Beispiel monumentale Intros, dicke Synthesizerwolken und vor allem dieses unnachahmliche Gefühl einer unendlichen Weite, die es mit einem amerikanischen Pick-Up zu durchqueren gilt. Funktioniert aber auch zu Hause auf der Couch mit geschlossenen Augen.

Einen längeren Artikel von mir zu diesem Album und den Spotify-Link findet ihr hier!

2. Son Little – New Magic

Geeignete Musik für zweisame Stunden ist gar nicht so einfach zu finden. Man will ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und “Let’s get it on” von Marvin Gaye auflegen. Andererseits ist es auch schwierig, eine Platte oder Playlist ohne einen unpassenden Song zu finden. Vermutlich hat Son Little nicht unbedingt an dieses Einsatzgebiet gedacht, dafür ist seine Musik viel zu persönlich und ernsthaft. In jedem Fall ist er einer der wenigen, denen eine Synthese aus der Soul-Tradition und zukunftsweisendem R&B gelingt. Ganz alleine im Homestudio ein Album zusammen zu basteln, das es musikalisch mit den Klassikern der goldenen Jahre locker aufnehmen kann, ist jedenfalls eine ganz besondere Leistung.

Das ganze Album gibt’s hier! 

3. Laurence Guy – Saw You For The First Time

Elektronische Clubmusik ist selten so aufgebaut, dass sie im Hausgebrauch auch wirklich Spaß macht. Aber das hat nichts mit mangelnder Kreativität oder Musikalität der Produzenten zu tun, sondern vor allem mit der Notwendigkeit von eher langweiligen Parts zum mixen der Tracks. Denn wenn diese sich harmonisch zu weit aus dem Fenster lehnen, kann man als DJ keinen sauberen Übergang machen. Laurence Guy aus London wandelt mit “Saw you for the first time” nicht nur mit bestechender Präzision auf diesem schmalen Grat, sondern schenkt uns auch fast eine Stunde reinste Entspannung und vollendeten Hörgenuss. Und das, obwohl alle Tracks tatsächlich auch im Club laufen könnten und teilweise erwiesenermaßen auch tatsächlich auf der Tanzfläche gespielt werden.

Alle zehn Tracks könnt ihr unter anderem in dieser YouTube-Playlist anhören!

4. Courtney Barnett & Kurt Vile – Lotta Sea Lice

Die Indiewelt hat ein neues Traumpaar: So große Namen wie Courtney Barnett und Kurt Vile haben sich schon lange nicht mehr zusammengetan. Da haben sich zwei gefunden, die das gekonnt unperfekt geschrammelte Gitarrenriff ebenso perfektioniert haben wie ihren jeweils unverkennbaren Gesangsstil. Ich hatte das Glück, die beiden letztes Jahr auf dem gleichen Festival zu sehen. Und schon damals lief offensichtlich was zwischen den beiden. Jedenfalls tauchten beide während des jeweils anderen Gigs auf der Bühne auf und machten bei ein paar Nummern mit. Kein Wunder, dass der musikalische Dialog auf den ersten Vorabsingles vorzüglich klappt. Deshalb ist das in Kürze erscheinende Album der zwei zurecht eine der am meisten erwarteten Platten in diesem Herbst.

Das gemeinsame Album er scheint am 13.10. und wird dann hier vorgestellt!

5. Throwback Special (Herbst 1967): Bobbie Gentry – Ode to Billie Joe

Vor 50 Jahren erfolgte durch eine Revolution in der Aufnahmetechnik ein gewaltiger Kreativitätsschub in der Popmusik. Bands wie die Beach Boys oder die Beatles fingen an, Songs im Studio Spur für Spur zusammenzubasteln. So entstanden surrealistische Kunstwerke wie die Alben “Pet Sounds” oder “Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band”. Letzteres wurde in den USA im Herbst 1967 als Nummer eins der Album-Charts von Bobbie Gentry abgelöst, einer jungen Sängerin aus den Südstaaten, die “schwarzen” Soul und “weißen” Country verband. Da Bobbie Gentry wenige Jahre später überraschend ihre Karriere beendete, ist sie heute weitestgehend in Vergessenheit geraten. Hoffentlich ist der 50. Geburtstag ihrer erfolgreichsten Platte einen ersten Anstoß zur Wiederentdeckung dieser beeindruckenden Sängerin gibt.

Das ganze Album gibt es auf Spotify oder hier!