Holger Endres

Porträt: Künstler Holger Endres

Typen

Schon bei meinem Besuch bei Heiko Rudt sind mir die Bilder aufgefallen, die Heiko in seinem Salon ausgestellt hatte. Die Bilder werden von Form und Farbe dominiert: mal ist ein Bild schwarz-weiß gestreift und hat einen neonpinken Rand, mal treffen schwarze und weiße Tupfen auf einen hellrosa Hintergrund und zerlaufen im Bild. Der Künstler, der diese Bilder malt, ist Holger Endres, der sich im Juni als erster Gastarbeiter im Atelier des zeitraumexit austoben durfte.

©Holger Endres


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Wer das offene Atelier im zeitraumexit betritt, findet genau das vor, was man vermutlich in einem Atelier erwartet: Auf dem Boden liegen verschiedene Pinsel in sämtlichen Größen herum, daneben Farbtuben, Sprühdosen, Lacke und eine Schere und mittendrin auch eine ziemlich große Axt. An der Wand lehnen Leinwände, teilweise schon bemalt, teilweise noch vollkommen weiß und unberührt.

Holger Endres

Das zeitraumexit überlässt seit letztem Jahr für etwa jeweils einen Monat verschiedenen Künstlern diesen Atelier-Raum, damit sie dort nicht nur arbeiten und forschen, sondern auch Besucher empfangen können. Holger Endres, der in Speyer geboren ist und nun seit einiger Zeit in Mannheim lebt, hat die Chance ergriffen, um sich auf seine Ausstellung in der Galerie Bernd Kugler in Innsbruck vorzubereiten, die am 07. September eröffnet.

Holger Endres

Holger ist ein klassischer Künstler, hat jedoch erst spät seine Passion, die Malerei, entdeckt: „Ich habe mich an vielen Ausdrucksformen versucht, z.B. am Gitarre oder Theater spielen, bin daran aber letztlich vom Interesse her gescheitert. Mit 25 habe ich dann die Malerei entdeckt und mich daran festgebissen.“ Mit 27 hat er schließlich Butoh Dance und Performance Art studiert, anschließend ging er nach Karlsruhe an die staatliche Akademie der Bildenden Künste, um dort zu studieren.

Holger Endres

Wie so oft, hat es auch für Holger eine Weile gedauert, bis er seinen eigenen Stil gefunden hat. Während er an der Kunstakademie in Karlsruhe noch sehr expressiv gewesen sei, kam er durch eine immer größere Reduktion auf die Linie, die heute eines seiner persönlichen Merkmale ist. Gerade die einfache Linie sei es, die ihm Freiheit und Unendlichkeit biete. Holger variiert diese Linie von einem dünnen Strich, der zwischendurch abbricht, wie in seinem Werk „Black Stripes“, bis zu den sich wiederholenden dicken und kraftvollen Linien in schwarz und weiß bei „Magenta Schwarz Weiß“.

Holger Endres

Das Malen sei für Holger ein Prozess, er male selten direkt auf die Leinwand, sondern probiere viel aus. Wenn er dann sein Bild gefunden habe, muss alles stimmen. Einmal verrutscht, kann es sogar sein, dass er die Leinwand wegwerfen müsse. Diese Akkuratesse spiegelt sich in den geometrischen Formen wieder und zeigt, welchen Respekt er seiner Kunst entgegenbringt. Kunst müsse für ihn auch irgendwo etwas Zwingendes haben, erklärt mir Holger.

Holger Endres

©Holger Endres

Angesprochen auf seine künstlerischen Vorbilder, wundert es mich nicht, dass Holger die Minimal Art oder analytische Kunst anspricht. Keith Haring, Niele Toroni oder die Amerikanerin Joyce Pensato, deren Kunst nahe an der Street-Art angelegt ist, beeindrucken und inspirieren ihn.

Holger Endres

Doch wie fühlt sich Holger als Künstler in Mannheim? Hier geht es ihm wie vielen Künstlern. Die Stadt bietet viel Input: „Man kann hier wirklich gut als Künstler arbeiten, es gibt viele Dinge zu entdecken und die Atmosphäre ist auch toll, aber aufregend ist anders.“ Was Holger vermisst? „Ich bin gespannt auf die Eröffnung der Kunsthalle aber generell fehlt es Mannheim an Künstlern und an Galerien. Kunst ist außerdem ein Wirtschaftsfaktor, deshalb sollten sich hier unbedingt mehr Galerien ansiedeln.“

Holger Endres

Trotzdem ist Mannheim für ihn der Ort, an dem er sich aktuell am wohlsten fühlt. Holger hat schon einige Stationen hinter sich, unter anderem auch Berlin, wo es an Galerien nur so wimmelt. Er finde in Mannheim in jedem Stadtteil einen Ort, an dem er gerne Zeit verbringt, sei es die Adria, das Strandbad oder der Speicher 7. Und schließlich punktet in Mannheim das Wetter. Auf die Frage, welche Farbe er mit Mannheim verbindet, antwortet er: „ein kräftiges Hellblau, so wie der Himmel hier.“

 Holger Endres

Holger Endres

Fotos: Sebastian Weindel (www.sebastian-weindel.de)

Besucht die Homepage:
http://www.holgerendres.de/

Ausstellung in Innsbruck:
Galerie Bernd Kugler
Vernissage: 07.09.2017
Ausstellungsdauer: 08.09.2017-14.10.2017