Marteria Konzertreview – Allein auf weiter Tour

Musik

Seit ein paar Jahren scheint es unter erfolgreichen Musikern beliebt zu sein, das neue Album im kleinen Kreis zu präsentieren. Im Fall von Marteria bedeutet das konkret: zurück in die alten Locations, die er auf seiner ersten Tour bespielt hat. In Heidelberg ist das der Karlstorbahnhof, vor dem schon viele Stunden vor Konzertbeginn die eingefleischten Marteria Girls und Boys im Dauerregen warten. Zum Glück muss ich nicht unbedingt in der ersten Reihe stehen und erspare mir daher die Regendusche.

Marteria Heidelberg

©Axel Specter


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Die „Allein Auf Weiter Tour 2017“-Tour von Marteria war nach kurzer Zeit ausverkauft, was kein Wunder ist, da Marteria inzwischen die Arenen des Landes füllt. Doch für jemanden wie Marteria ist es vollkommen egal, ob er vor 10 oder 10.000 Leuten spielt, das merke ich direkt zu Beginn des ersten Songs. Ab der ersten Sekunde springt der Rostocker auf und ab, rennt über die Bühne, hat zwischen den Zeilen sogar noch Zeit das Publikum anzufeuern und ist offensichtlich voll in seinem Element.

Marteria Heidelberg

©Paul Ripke

Ganz alleine ist er auf seiner weiten Tour natürlich nicht, denn er wird von seiner Band begleitet, unter denen sich auch bekanntere Namen wie Kid Simius befinden. Gemeinsam präsentieren sie dem Heidelberger Publikum die Songs des neuen Albums „Roswell“ sowie Hits wie „OMG“ oder „Kids“ aber auch ältere Songs „Alles verboten“ oder „Endboss“. Zwischendurch taucht Marterias dauerbekifftes Alter Ego „Marsimoto“ die Bühne in grünes Licht und hüllt den Raum in süßlichen Grasgeruch. Spätestens jetzt rastet jeder im Publikum aus.

Marteria Heidelberg

Mehrere Dinge beeindrucken mich an Marterias Auftritt: die anscheinend nicht enden wollende Ausdauer von Marteria und seiner Band. Volle zwei Stunden toben sie sich sowohl auf der Bühne, als auch mitten im Publikum aus. So wird zu einigen Songs auch mal ein Moshpit gebildet, für das sie einige Metal-Bands beneiden würden. Immer wieder feuert Marteria seine Fans an, reißt sich das T-Shirt vom Leib, wirft es in die Menge und seine Fans tun es ihm gleich.

Mindestens genauso beeindruckend ist die Nahbarkeit von Marteria und die Treue gegenüber seiner Fans. Beinahe nach jedem Song betont er, wie krass er es selbst findet, wieder im Karlstorbahnhof zu spielen, wo alles mit 71 Besuchern angefangen hat. Während er immer wieder inmitten seiner Fans badet, nehme ich das Marteria auch tatsächlich ab. Auch nach dem Konzert ist für Marteria noch lange nicht Schluss: er kommt nochmal raus, macht unermüdlich Fotos mit Fans und gibt Autogramme.

Marteria Heidelberg

©Paul Ripke

Mit dabei ist natürlich auch Marterias best buddy Fotograf Paul Ripke, der als gebürtiger Heidelberger eine Art Heimspiel hat. Zum Song „Blaue Augen, grüne Augen“ rappt er selbst ein kleines Stückchen im feinsten Kurpfälzisch und stagedived sich danach zum Ausgang. Die zwei Stunden gehen viel zu schnell um, so mitreißend ist die Show von Marteria und ich bin mir sicher: das war eine der beeindruckendsten Live-Shows, die ich je gesehen habe. Die Atmosphäre des kleinen Karlstorbahnhofs hat daran natürlich einen großen Anteil, doch eine Marteria Show lohnt sich definitiv.

Ein Trostpflaster für alle, die nicht dabei sein konnten: die große Arena-Tour für den Winter ist zum Glück schon geplant!

Marteria Roswell Tourblog (sehr sehenswert!)
„Aliens“ Video
„Das Geld muss weg“ Video