Dankbar Mannheim

Dankbar Café – Entspannen und Gutes tun

Essen und Trinken

Dankbar sein – das ist etwas, was in unseren hektischen Alltagen zwischen Zur-spät-zur-Arbeit-kommen und Heute-war-die-absolute-Deadline viel zu wenig kommt. Auch ich verstricke mich oft im Gedankenwahnsinn und verliere aus dem Auge, dass es mir auf unserem Fleckchen Erde besser geht als den meisten anderen Menschen. Für alle, die sich ähnlich fühlen, gibt es ab sofort einen Ort, an dem wir dazu aufgefordert werden, dankbar zu sein: die Dankbar.

Dankbar Mannheim

Klar, der Name ist hier Programm, gleichzeitig ist die Dankbar noch viel mehr. Sie ist eine Bar, ein Café, ein Imbiss und ein Ort für kulturelle Veranstaltungen aller Art. Verena und Max Freudenberg, die Inhaber, haben hiermit etwas sehr Idealistisches geschaffen, was es in dieser Form in Mannheim vorher so noch nicht gab.

Dankbar Mannheim

Bei meinem Besuch habe ich erst zwei mal schauen müssen, ob ich hier richtig bin. Die Dankbar liegt versteckt im wunderschönen Hinterhof des Gründerinnenzentrums in G7 mitten im bunten Treiben des Jungbuschs. Wer wie ich Richtung Dankbar abbiegt, lässt jeglichen Stress sowie Lärm und Hektik hinter sich. Im Hof erwartet mich zuerst eine gemütliche Sitzecke mit Loungemöbeln, überdacht von bunten Sonnensegeln.

Dankbar Mannheim

Als ich die Dankbar betrete, spüre ich sofort die lockere und gelassene Atmosphäre. Auf der einen Seite befindet sich eine kleine Bar, auf der anderen Seite stehen Tische und Stühle zu gemütlichen Sitzgruppen arrangiert. Am Ende des Raums gibt es eine kleine Erhebung, auf der große Sitzkissen liegen. Gleichzeitig funktioniert die Erhebung jedoch auch als Bühne, es bedarf lediglich ein paar flinker Handgriffe und Künstler vom Poetry Slammer bis zur Rockband können hier auftreten, wie mir Inhaber Max erklärt.

Dankbar Mannheim

Doch was genau ist denn nun so idealistisch an der Dankbar, frage ich mich? Eigentlich ist es ganz einfach: die Dankbar funktioniert nach dem Pay-what-you-want-Prinzip. Das bedeutet, dass jeder Besucher selbst entscheiden kann, was er für sein Getränk, seine Speisen oder für den Auftritt von Künstlern zahlen möchte.

Dankbar Mannheim

Vor der Bar gibt es ein großes Plastikgefäß in den alle Besucher ihre Spende einwerfen können. Diese Spenden werden am Ende eines Monats gleichmäßig auf drei soziale Projekte aufgeteilt. Max und Verena behalten nur die Fixkosten und das, was sie selbst zum Leben brauchen. Die sozialen Projekte wechseln jeden Monat, sodass viele Projekte eine Chance haben, unterstützt zu werden. Durch die gleichmäßige Aufteilung wird keines der Projekte bevorzugt. Wer die Dankbar besucht, tut also auch etwas Gutes für andere.

Dankbar Mannheim

Neben Getränken und einer entspannten Atmosphäre gibt es bei der Dankbar auch kleine Snacks und Speisen, die täglich wechseln. Bei unserem Besuch haben Sebastian und ich einen frischen Tomaten-Mozzarella Salat und eine Kürbissuppe mit Lachsstreifen probiert. Beides hat sehr frisch und lecker geschmeckt. Zum Abschluss hat sich Sebastian noch einen Zitronenkuchen gegönnt, der ihm auch sehr gut geschmeckt hat.

Dankbar Mannheim

In der Dankbar gibt es nicht nur Speisen und Getränke, sondern auch viele verschiedene Veranstaltungen und Ausstellungen. Max und Verena sind große Kulturfans und möchten Künstler unterstützen und ihnen eine Möglichkeit geben, sich dem Mannheimer Publikum zu präsentieren. Die Wand bietet eine große Ausstellungsfläche für Künstler und das Bühnenprogramm für die nächsten Wochen steht auch schon fest.

Dankbar Mannheim

Schon in der ersten Eröffnungswoche hat sich das Prinzip der Dankbar herumgesprochen, sodass viele Menschen kamen und der Dankbar selbst Dinge gespendet haben, zum Beispiel Zutaten wie Tomaten oder Paprika. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Dankbar dazu beitragen kann, die Denkweise von vielen Menschen zu beeinflussen. Mein Besuch hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass es wichtig ist, nicht nur zu nehmen sondern auch zu geben. Ich kann deshalb nur meinen Hut vor so viel Mut und Idealismus ziehen.

Dankbar Mannheim

Lest in unserem spannenden Interview mit Max und Verena, wie sie auf die Idee gekommen sind, die Dankbar zu eröffnen und warum sie an das Gute im Menschen glauben.

Dankbar Mannheim

Fotos: Sebastian Weindel (www.sebastian-weindel.de)

Was genau ist Dankbar, was können die Besucher hier alles machen und erleben?

Verena: Die Dankbar ist ein Kulturcafé, in dem es in erster Linie um das Miteinander geht. Die Dankbar soll ein Ort sein, an dem man sich wohlfühlt. Das haben wir mit dem Pay-what-you-want-Prinzip verknüpft. Das heißt, die Besucher entscheiden selbst, wieviel ihnen die Suppe, das Getränk oder die Veranstaltung wert ist. Wir legen hier außerdem großen Wert auf Kunst und Kultur, hier wird es wechselnde Ausstellungen geben und zusätzlich noch Livemusik und andere Events. Die Dankbar ist ein gemeinnütziges Projekt. Alles, was über unsere Fixkosten hinausgeht, fließt in verschiedene soziale Projekte. Wir haben jeden Monat drei soziale Projekte, für die wir unseren Gewinn einsetzen. Das Besondere ist hierbei, dass kein Projekt bevorzugt wird, sondern dass das Geld prozentual auf diese drei Projekte aufgeteilt wird.

Wie kamt Ihr auf die Idee, Dankbar zu gründen?

Max: Wir haben vor einiger Zeit in Marburg eine Bar entdeckt, bei der der Besitzer die Bar zu seinem Wohnzimmer gemacht hat. Man musste dort eine Hausordnung durchlesen und akzeptieren, dass man von anderen beschenkt wird und selbst schenken kann. Dieses Prinzip hat uns sehr gut gefallen. Wir waren beide gerade in der Umorientierungsphase und haben festgestellt, dass es so etwas in Mannheim noch nicht gibt. In einigen anderen Städten wie Berlin und Münster gibt es so etwas schon, also beschlossen wir, die Dankbar in Mannheim zu eröffnen.

Verena: Uns hat besonders die Freiwilligkeit begeistert und dass es keine Zwänge gibt. Das Miteinander verändert sich dadurch komplett, was uns jetzt schon einige Besucher bestätigt haben!

Was habt Ihr vorher gemacht?

Max: Ich bin gelernter Elektriker und mache schon immer nebenher Musik. Kunst und Kultur ist daher meine Leidenschaft. Ich habe während der Meisterschule gemerkt, dass ich nicht für immer als Elektriker arbeiten möchte.

Verena: Ich bin studierte Architektin und habe auch für einige Zeit als Architektin gearbeitet. Ich habe aber auch schnell gemerkt, dass ich das nicht für immer machen möchte.

Max: Wir haben die Dankbar komplett alleine aufgebaut und haben uns dabei sehr gut ergänzt. Ich habe den kompletten Umbau gemacht und Verena war eher für das Gestalterische und die Konzeption zuständig.

Bezahlt wird bei Euch nach dem Pay-what-you-want Prinzip. Das ist in der heutigen profitorientierten Zeit sehr mutig. Glaubt Ihr generell an das Gute im Menschen?

Max: Ich vertraue auf die Leute die hierher kommen! Wir appellieren an das Gute im Menschen. Ich denke, jeder hat etwas Gutes in sich, was allerdings von der Gesellschaft oft unterdrückt wird. Vielen Leuten platzt heute der Kopf, ich kenne das selbst. Aber eigentlich hat jeder etwas Gutes in sich.

Verena: Inzwischen geht es in der Gesellschaft immer um höher, besser und schneller. Ich habe das Gefühl, dass aktuell ein Umdenken stattfindet. Ich bin selbst früher in diesem Strom mitgeschwommen, aber habe mich dann gefragt: „Ist es das wirklich?“ Viele Leute haben verlernt, glücklich zu sein. Wir wünschen uns, dass die Dankbar in dieser Hinsicht ein bisschen zum Nachdenken anregt.

In Eurem Imagefilm sprecht Ihr von Dankbarkeit als Therapie. Wann wart Ihr das letzte Mal dankbar oder habt Dankbarkeit empfunden und wie hat das auf Euch gewirkt?

Max: Die Frage ist: wann macht man sich bewusst, für was man dankbar ist? Wenn ich hier eine Cola trinke und mir bewusst überlege, wie viel ich dafür zahlen möchte, ist das schon etwas ganz Anderes. Ich versuche, immer dankbar zu sein, das gibt einem ein ganz anderes, besseres Gefühl.

Verena: Seitdem wir uns mit dem Wort „Dankbar“ beschäftigen, ist mir viel bewusster geworden, wie viel wir eigentlich haben. Wir haben hier so vieles, wofür wir dankbar sein müssen. Das ist für mich wie eine Therapie.

An welchen Orten in Mannheim fühlt Ihr Euch sonst noch wohl und wo in Mannheim empfindet Ihr Dankbarkeit?

Max: Ich fühl mich natürlich zu Hause wohl (lacht). Für mich ist das Schönste und Dankbarste, was ich erleben kann, wenn ich mit meiner Frau am Frühstückstisch sitzen kann und unseren Hund streicheln kann.

Verena: Ich gehe gerne an den Hafen49 und an den Vogelstangsee. Mir ist es jedoch am Wichtigsten, dass die Leute nett sind und ich meine Freunde um mich herum habe!

Dankbar
G7, 22
68159 Mannheim
Email: kultur@dankbar-mannheim.de

Straßenbahn: 1, 2, 3, 4, 5, 7
Haltestelle: Dalbergstraße (2), Marktplatz (1, 3, 4, 5, 7)

Öffnungszeiten:
Mo.-Mi.: 16.00-21.00
Do.-Sa.: 16.00-24.00