Erinnerungen an den Sommer: Kult-Tour de Neckarstadt

Kunst und Kultur

Draußen liegt Schnee, drinnen liege ich mit der alljährlichen Wintererkältung. „The same procedure as every year“ also. Was bleibt einem übrig, als sich warme Gedanken zu machen und was eignet sich dafür besser als sich an die schönen Momente des Sommers zurückzuerinnern?! Na also, fangen wir doch mal an. Alle, die genau so wenig mit Schnee anfangen können wie ich (zumindest mit diesem Pseudoschnee in der Stadt, der eigentlich fieser, brauner Matsch ist), dürfen sich an dieser Stelle mit mir auf den Sommer freuen. Wir haben nämlich einen Rückblick auf die KultTour in der Neckarstadt für euch:

Sommer und Tour, da denkt wohl manch einer gleich an Tour de France. Stramme Waden und französische Berge. Aber die Tour de France ist nicht so unser Ding. Die Kulttour (de Neckarstadt), die finden wir dagegen super. Das ganze spielt sich in den Stadtteilen Neckarstadt-Ost und Herzogenried ab. Man muss also nicht mal das geliebte Mannheim verlassen, um sich auf diese Tour zu begeben. Ganz ohne Rad kann man dabei zwischen Kunst, Musik, Literatur und weiteren Augen- und Ohrenfreuden herumspazieren. Achja, für Gaumenfreuden ist auch gesorgt.


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Mannheim Neckarstadt

Die Kulttour ist noch ein sehr junges Projekt, das dieses Jahr zum Siebten Mal stattfand. Knapp 100 Künstlern aus aller Herren Länder wird hier Raum zur Selbstverwirklichung sowie Selbstdarstellung geboten. Interkulturelle Begegnungen sind nicht nur vorprogrammiert, sondern auch Ziel des Spektakels.

Antiquitäten Mannheim Kulttour

Mit dem eigens von Kulttour entworfenen, aufwändigen Stadtplan haben Tim und Ich uns also auf den Weg gemacht, um uns das Ganze mal genauer anzuschauen. Unsere erste Anlaufstelle war der Nordturm des Veranstaltungshauses Alte Feuerwache. Hier haben wir eigentlich eine Fotoausstellung über die Turley-Barracks erwartet, die letztes Jahr von den hier stationierten Amerikanern wehmütig verlassen werden mussten. Ich weiß nicht, ob wir zu doof waren oder ob das ein Missverständnis im Flyer der Grund war aber die Ausstellung haben wir leider nicht gesehen. Wäre aber bestimmt gut gewesen!

Weiter gings zu Nofrills Webdesign. Hier gab es eine Fotoausstellung von Steffen Diemer und Veronika Pommer. Beide haben mein kleines Kunsthistorikerinnenherz etwas höher schlagen lassen, denn sie haben was ziemlich Abgefahrenes mit ihren Fotos gemacht: Steffen Diemer arbeitet schon eine ganze Weile mit dem Kollodium-Nassplatten Verfahren, dessen Erklärung ich mir hier jetzt spare. Lasst euch zumindest gesagt sein, dass diese Art zu Fotografieren in der analogen Welt vor langer, langer Zeit mal ziemlich angesagt war… Auf jeden Fall machen die Fotos ziemlich was her, wie ihr auf unseren Fotos seht.

Kulttour Pommer Diemer

Viktoria Pommer macht etwas nicht weniger Aufwendiges, was in der Fotografie auch sehr retro ist. Man nennt es Cyanotypie und diejenigen von euch, die schonmal etwas intimer mit ihrem Drucker geworden sind, denken vielleicht an Cyan. Ja, damit hat das auch zu tun, die Fotos sind nämlich ziemlich blaustichig, wie ihr sehen könnt.

Mannheim Neckarstadt

Im Patio Latino kam dann eine ganz andere Stimmung auf, die nochmal die Erinnerungen an das Fußball WM Feeling aufkommen ließ: Südamerika at its best in Form von Kunst, Essen, Musik und Tanz.

Patino Latino Kulttour Neckarstadt

Von dort aus spazierten wir in Richtung Galerie der-augen-blick. Was von außen zugegebenermaßen erst Mal etwas „normal“ wirkte – Fotos von Blumen– entpuppte sich als ziemlich stylishe Momentaufnahme der Vielfalt verschiedenster einheimischen Blumen. Den grünen Daumen hat Herr Stachniss definitiv auch beim Fotografieren!

Stachniss Blumen Kulttour

Beim urigen Weber Antiquitäten, was auch für uns eine interessante Neuentdeckung war, hat Gerhard Siegler seine Mannheim Fotos ausgestellt. Was sonst als böser Fauxpas gilt, wurde hier zum Leitmotiv: verwackelte Fotos. Umso interessanter für mich als Betrachter, weil ich nämlich ein bisschen rätseln musste, was genau denn jetzt hier fotografiert wurde. Der waschechte Mannheimer erkennt natürlich sofort sein heimisches Terrain, siehe Tim, und sagt: Is doch klar, das ist die Jungbuschbrücke! So ging das dann die ganze Zeit weiter. Uns hat’s Spaß gemacht.

Siegler Kulttour

Eines meiner Highlights war der Besuch im Atelier von Lilli Seiler. Die Dame ist Modistin. Das ist ein Beruf, den es leider kaum noch gibt. Zu Deutsch auch: Hutmacherin. Ich bin hier tatsächlich auf den Hut gekommen. Die Hüte von Lilli Seiler sind innovativ aber nicht übertrieben, elegant und zugleich lässig. Achja, und das Atelier sieht auch noch stylish aus, besonders die Modellköpfe haben es mir angetan. Ich hätte also gerne einmal beides: Hut und Modellkopf.

Lilli Seiler Mannheim

Letzte Station: Café Pfau. Das nette Café in der LaRö (= Lange Rötterstraße) ist sowieso immer einen Besuch wert aber die Ausstellung von Trixi Jansen war sozusagen das Pfauenauge des Tages. Sie hat sich auf die Insel Krk (ich versuche immer noch, das auszusprechen: Krük? Krik?) begeben und erkundet, was dort so nach dem Zerfall Jugoslawiens los war: nicht viel. Dokumentiert hat sie das am Beispiel eines Luxushotel, das heute wie eine Ruine in der Einöde vor sich hin vegetiert.

Café Pfau Mannheim

Und, neugierig geworden? Sehr gut, denn die Kulttour kommt nächsten Sommer wieder! Am besten ihr checkt die Homepage oder Facebookseite der KultTour aus oder lest natürlich unseren Blog, wir informieren euch rechtzeitig über die nächste KultTour in der Neckarstadt.

Besucht die Homepage:
http://kulttour-mannheim.de

KultTour auf Facebook

Straßenbahn: 1,2,3,4
Bus: 53,61
Haltestelle: Alte Feuerwache